Aktuelle Entwicklung/Situation der Wasserversorgung im Kreis Offenbach 2022

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit diesem Schreiben möchten wir Sie aus gegebenen Anlass über die aktuelle Entwicklung/Situation der Wasserversorgung der kreisangehörigen Städte und Gemeinden im Kreis Offenbach sowie in der Stadt Offenbach informieren.

Aufgrund der nun schon länger anhaltenden warmen und trockenen Wetterlage im Versorgungsgebiet des ZWO wurden die vom ZWO mit Trinkwasser versorgten Städte und Gemeinden nun in Schreiben aufgerufen, in ihren Versorgungsgebieten die Bürgerinnen und Bürger zu informieren und ihrerseits dazu aufzurufen, sorgsam mit Trinkwasser umzugehen.

Hintergrund und Situation 2022:

Die zurückliegenden Jahre 2016 bis 2021 waren gekennzeichnet durch zu geringe Niederschläge, also langanhaltende Trockenperioden, und durch sehr warme, teilweise schon im Frühjahr beginnend bis in den Herbst reichende, heiße Sommer.

Insbesondere in den ausgesprochenen Trockenjahren 2018 bis 2021 und auch aufgrund der in diesem Zeitraum stark gestiegenen Wasserverbräuche sind die Grundwasserstände stetig gefallen. Auch in diesem Jahr 2022 hat sich diese Entwicklung leider fortgesetzt. So hat es seit März dieses Jahres in unserer Region viel zu wenig Niederschlag gegeben und auch die Temperaturen sind jahreszeitlich bezogen schon seit diesem Zeitraum sommerlich.
Die Tagesverbräuche und die sogenannten Spitzenverbräuche sind, der Höhe als auch Zeitdauer nach, stark gestiegen. Das hat in dem genannten Zeitraum dazu geführt, dass die Wasserrechte des ZWO zu 99 % ausgelastet wurden und auch die Grundwasserpegel sich nur sehr langsam oder gar nicht erholen konnten.

Dies ist der Grund für das aktuelle Anschreiben der Städte und Gemeinden.

Notwendige nächste Schritte durch den ZWO und die vom ZWO versorgten Städte und Gemeinden:

Um trotz der geschilderten Entwicklung der Grundwasserstände die Wasserversorgung sicherstellen zu können, wurden vertraglich vereinbarte Liefermengen, im Rahmen der Möglichkeiten, mit dem Zweckverband Gruppenwasserwerk Darmstadt-Dieburg (ZVG) erhöht. Es werden aktuell zur weiteren Erhöhung dieser Liefermengen mit dem ZVG Verhandlungen geführt. Diese sind jedoch noch ergebnisoffen.

Auch wurden Anträge zur Erhöhung der Wasserrechte des ZWO beim Regierungspräsidium Darmstadt (RP DA) gestellt. Deren Bearbeitung dauert an.

Das RP DA hat 2020 mit der Erstellung eines Grundwasserbewirtschaftungskonzeptes „Untermainebene“ begonnen. Die Ergebnisse sollen in die Beurteilung bei der Erteilung von Wasserrechten durch das RP DA einfließen. Leider liegt dieses Konzept aktuell noch nicht vor, weil es sich in der fachlichen Abstimmung mit den zuständigen Fachbereichen inner-halb des RP DA befindet.

Bernd Petermann, der Geschäftsführer des ZWO, zeigt sich besorgt: „Der ZWO kann nur auf die Wassermengen zurückgreifen, die zur Verfügung stehen und deren Förderung genehmigt ist. Wir brauchen ein gut koordiniertes Zusammenwirken aller Beteiligten, um die zunehmend schwierige Lage auch mittel- und langfristig zu beherrschen. In unserem Versorgungsgebiet sind z. T. erhebliche Bevölkerungszuwächse geplant. Da muss die Wasserversorgung mitgedacht werden.“

Eine weitere, in die zukünftige Sicherung der Wasserversorgung gerichtete Maßnahme wird jetzt ab Juli 2022 gemeinsam mit allen vom ZWO versorgten Städten und Gemeinden und dem ZWO begonnen und hat die Erstellung von sogenannten kommunalen Wasserkonzepten zum Ziel.

Der Betrachtungszeitraum reicht dabei bis in das Jahr 2050. Diese Maßnahme wird vom Land Hessen mit bis zu 80% finanziell gefördert und wird insbesondere notwendige Veränderungen bei der Nutzung von Wasser vor dem Hintergrund der spürbaren Veränderungen des Klimas zum Inhalt haben.

Peter Schneider, Verbandsvorsitzender des ZWO, stellt klar: „Im Rahmen der Erstellung kommunaler Wasserkonzepte muss die Gesamtsituation bei der Grundwasserentnahme in den Blick genommen werden. Da geht es nicht nur um die Trinkwasserversorgung, sondern auch um Industrie und Gewerbe sowie die Landwirtschaft. Ohne ein tragfähiges Zukunftskonzept, das insbesondere das Einsparen der kostbaren Ressource Wasser vorschreibt, wer-den wir in ernsthafte Schwierigkeiten kommen. Klar ist, dass der Trinkwasserversorgung der Bevölkerung Vorrang eingeräumt werden muss.“

Für die aktuelle und die künftige Sicherung einer nachhaltigen öffentlichen Wasserversorgung muss es darum gehen, die aufgezeigten Trends in den unterschiedlichen Kategorien weiter zu analysieren, um fachlich fundierte Lösungswege und Maßnahmen aufzeigen, prüfen und umsetzen zu können. So müssen zum einen Lösungsansätze und Maßnahmen gefunden werden, die kurzfristig umsetzbar sind und möglichst schnell Entlastungen zeigen und zum anderen solche, die erst längerfristig umsetzbar sind und erst später Wirkung zeigen.

Carsten Müller, Kreisbeigeordneter und Stellvertretender Verbandsvorsitzender: „Die Aufgabe des ressourcenschonenden Umgangs mit Wasser ist eine Querschnittsaufgabe aller Beteiligten. Ob es um das individuelle Verbrauchsverhalten der Bürgerinnen und Bürger geht, um die Planung neuer Baugebiete oder um die Förderung der Nutzung von Brauch- und Niederschlagswasser: Es muss an allen Stellschrauben gedreht werden, die verfügbar sind. Der ZWO wird den Städten und Gemeinden verlässlich beratend zur Seite stehen, wenn es um die Festlegung von Maßnahmen geht.“

Aus der Sicht des ZWO wird sich der Trend der klimatischen Veränderungen der letzten Jahre auch künftig fortsetzen. Deshalb wird die Frage nach einer sicheren und nachhaltigen Wasserversorgung auch und besonders in unserer Region, als Teil der Rhein-Main Metropolregion, immer wichtiger und drängender. Die überregionale Bedeutung unterstreicht, dass auch auf Landes- und Bundesebene entschlossen gehandelt werden muss.


Pressekontakt: ZWO Am Wasserwerk 1 63110 Rodgau Tel. 06106-6995.20 FAX 06106-6995.60